Wildkaffee – Der Ursprung unseres heutigen Kaffees

Täglich werden 73 Millionen Tassen Kaffee in Deutschland getrunken. Manche trinken ihn schwarz, manche mit Milch, die anderen trinken lieber Latte Macchiato oder Cappuccino. Gern darf es auch mal ein Espresso zum Munterwerden sein. So gelingt es dem Kaffee jeden Gaumen auf seine spezielle Art und Weise zu erfreuen. Aber woher stammt der Kaffee eigentlich ursprünglich, wohl nicht aus dem Supermarkt von nebenan.  Denn der Ursprung aller Kaffeesorten ist der Wildkaffee aus Äthiopien. In diesem Artikel berichten wir über die Entdeckung des Kaffees und über Wissenswertes über den Ursprungskaffee.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Entdeckung des Kaffees
  2. Der Weg nach Europa
  3. Die Verbreitung der Kaffeepflanzen
  4. Die Geschichte von Kaffa
  5. Wissensertes über den Wildkaffee
  6. Das Regenwaldschutz-Projekt

Die Entdeckung des Kaffees

Die Region Kaffa auf dem Kontinent Afrika

Die Region Kaffa auf dem Kontinent Afrika

Eine Legende besagt, dass einst (6. Jahrhundert) die Ziegen des Ziegenhirten Kaldi im Südwesten des heutigen Äthiopien liegenden Königreichs Kaffa von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen haben sollen. Aufgrund dessen sprangen die Tiere die ganze Nacht herum. Der Hirte bemerkte dies und die ihm unbekannte Pflanze. So beschloss er, selbst von den süßlichen Früchten zu kosten und spürte somit die anregende und stimulierende Wirkung. Den in der Nähe lebenden Mönchen fiel die Aufruhr des Hirten auf und gingen dem nach. So entdeckten auch sie die neue Pflanze und deren zauberhafte Wirkung, durch die sie bis tief in die Nacht beten und miteinander reden konnten.

Andere Legenden erzählen, dass die Mönche die Pflanze und deren Früchte als Teufelswerk verurteilten und sie ins offene Feuer warfen. Kurz darauf waren sie von dem Duft der halbverkohlten Bohnen überrascht und sehr angetan.

So vermutet man, dass der Ursprung des Kaffees in der Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens liegt, wo er erstmal im 9. Jahrhundert erwähnt und auch bewusst geröstet wurde. Erst im 14. Jahrhundert gelang er dann nach Arabien, wo er wahrscheinlich erst im 15. Jahrhundert geröstet und getrunken wurde. So wurde Arabien zur Monopolrolle des Kaffeeanbaus. Das Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha (Mokka) im Jemen.

Johann Wolfgang von Goethe kam dann auf die Idee, die Bohnen zu destillieren. Später setzte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge den Gedanken um und entdeckte das Koffein und wie man ihn aus dem Kaffee “entfernen” kann.

Im 16. Jahrhundert eroberte der Kaffee dann das Osmanische Reich (Türkei). Es entstanden die ersten Kaffeehäuser. Mitte des 16. Jahrhundert gelang der Kaffee nach Syrien und Kleinasien. Etliche Sultane verboten aber den Kaffee. Es ging so weit, dass Kaffeehäuser zur Strafe abgerissen und Kaffeetrinker starker Verfolgung ausgesetzt waren.  Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Getränk im Osmanischen Reich endgültig anerkannt.

Der Weg nach Europa

Wie kam der Kaffee nun nach Europa?

Im Jahre 1573 kam der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf in Syrien auf den Genuss des Kaffees und berichtete daraufhin darüber. Der italienische Arzt Prospero Alpini informierte Ende des 16. Jahrhunderts die Bevölkerung in Italien über das neuartige Getränk. Mitte des 17. Jahrhunderts verfügten Venedig, Oxford, London und Paris über die ersten Kaffeehäuser. In Wien eröffnete der Armenier Johannes Theodat das erste Wiener Kaffeehaus im Jahre 1685. Er erhielt als einziger Händler der Stadt, zum Dank für seine Kurierdienste, von den Stadtoberen das Privileg, 20 Jahre lang Kaffee als Getränk verkaufen zu dürfen. So eröffnete er in seinem Wohnhaus am Haarmarkt, heute Rotenturmstraße 14, das erste Wiener Kaffeehaus.

Anfänglich überwog in Deutschland die Wortform Coffee aus dem Englischen oder Niederländischen. Während des 18. Jahrhunderts setzte sich Kaffée nach dem französischen Wort café durch. Das erste deutsche Kaffeehaus wurde im Jahr 1673 in Bremen errichtet. Daraufhin folgte Hamburg im Jahr 1677. 1694 gab es bereits vier Stück. Und schon 1675 kannte man Kaffee am Hofe des Großen Kurfürsten in Berlin. Jedoch wurde erst 1721 das erste Kaffeehaus errichtet. Ende des 17. Jahrhunderts folgten dann auch Regensburg und Leipzig mit der Eröffnung der ersten Kaffeehäuser.

Im 17. Jahrhundert verbreitete sich der Kaffee in holländischen Kolonien wie z. B. Java. Auf diese Weise erhielt Holland im Handel eine Vormachtstellung. Somit faltete sich der Kaffeekonsum in immer weitere Gesellschaftskreise aus. 1766 verbot Friedrich der Große aber die private Einfuhr in den privaten Handel. Ausschließlich der preußische Staat war bemächtigt, mit Kaffee zu handeln. Das Ziel damit war, den Abfluss des Kapitals ins Ausland zu verhindern und somit die Staatskasse zu füllen. Aufgrund des Handelsverbots kam es zu einem umfassenden Schmuggel mit Kaffeebohnen. Daher wurde 1781 auch das Rösten des Kaffees in Preußen für private Haushalte verboten. Um zu überwachen, ob die Verbote auch eingehalten werden, wurden so genannte “Kaffeeriecher” eingesetzt. Diese waren ehemalige französische Soldaten. Sie sollten durch ihren Geruchssinn die illegalen Kaffeerösterein feststellen. 1787 wurde das staatliche Kaffeemonopol in Preußen jedoch wieder abgeschafft, weil sich die Kontrollen als ineffektiv erwiesen und sich so der Schaden durch Schmuggel vergrößerte.

Die Verbreitung der Kaffeepflanze

Zunächst waren die Kaffeepflanzen in Afrika und Arabien verbreitet. Man kam dann später auf die Idee sie in anderen Regionen anzubauen. Außerhalb Afrikas und Arabiens wurde die erste Anpflanzung durch den Gouverneur von Niederländisch-Indien van Hoorn im Jahre 1690 in Ceylon und auf Java vollzogen. Die verwendeten Pflanzen kamen aus Arabien. Von diesen Plantagen in Ceylon und Java gingen im Jahre 1710 mehrere Exemplare nach Europa und wurden in verschiedenen botanischen Gärten kultiviert. Dazu gehört z. B. Amsterdam, wo ein Kaffeestrauch zum ersten Mal auf europäischem Boden wuchs.

1718 gelang der Kaffee durch die Holländer nach Surinam (Südamerika). Die Franzosen brachten ihn 1725 nach Cayenne und Martinique und 1730 nach Guadeloupe. Durch die Portugiesen fanden die ersten Kaffeepflanzen 1727 auch in Brasilien ihr zu Hause. Dort mussten, wie überall in der lateinamerikanischen Plantagenwirtschaft, afrikanische Sklaven arbeiten.

Die Geschichte von Kaffa

Kaffa ist ein Königreich, das Ende des 14. Jahrhunderts durch den ersten legendären König Minjo gegründet wurde und im Südwesten des abessinischen Hochlandes lag. Es wurde zunächst von Bonga, später von Anderaccha aus regiert. Am meisten wurden Zibet (moschusähnliches Sekret) und Gold exportiert. Auch der Sklavenhandel war eine der Haupteinnahmequellen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sogar noch 7000 Sklaven in Kaffa verkauft. Die Gebiete nördlich des Flusses Gojeb gingen im 16. Jahrhundert an das Volk der Oromo. Dahingegen eroberte Kaffa die benachbarten kleineren Staaten der Gimira und später dann das benachbarte Walamo.

1897 wurde das Reich dann von dem äthiopischen Kaiser Menelik II. erobert. Die äthiopischen Provinzen wurden im Jahre 1942 neu organisiert. So wurde das ehemalige Königreich Kaffa mit anderen Gebieten zur Provinz Kaffa zusammengefasst. 1994 erhielt Äthiopien ein neue Verfassung und eine föderale Struktur. Mithin wurde die Provinz Kaffa in die neu geschaffene „Southern Nations, Nationalities, and Peoples Region“ mit der Hauptstadt Awass integriert.

Der erste Container Wildkaffee wurde im Sommer 2003 exportiert. Seither erlebt die Region einen regelrechten Aufschwung. Auf diese Weise besteht wieder Hoffnung für die Rettung des Regenwaldes, welcher in den letzten Jahrzehnten sehr leiden musste und folglich zurück ging und kleiner wurde. Die Ursachen liegen in dem dramatischen Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Armut. Die Menschen drängten sich immer mehr in die Wälder, um Weide- und Ackerland anzulegen und Brennholz zu schlagen. Ferner lassen Investoren den Urwald roden, um Kaffee- und Teeplantagen zu schaffen.

Die Region Kaffa ist seit 2010 ein anerkanntes Biosphärenreservat der UNESCO im Rahmen des MAB-Programms (Programm “Der Mensch und die Biosphäre”).

Wissenswertes über den Wildkaffee

Der äthiopische Regenwald. Im Unterholz die Kaffeebäume. Quelle: http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Ffile1.npage.de%2F000751%2F24%2Fbilder%2Fwildkaffee_text_gross1.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fkaffee.npage.de%2Fwildkaffee-aus-aethiopien.html&h=328&w=493&tbnid=CQF7c6XXZ0mx7M%3A&zoom=1&docid=wQxdye1xQoIyNM&ei=I_QWVJivCYifygOJhIG4Dw&tbm=isch&client=firefox-a&iact=rc&uact=3&dur=413&page=1&start=0&ndsp=34&ved=0CDsQrQMwCQ

Der äthiopische Regenwald. Im Unterholz die Kaffeebäume.
Quelle: http://kaffee.npage.de/wildkaffee-aus-aethiopien.html

Wie der Name “Wildkaffee” schon sagt: der Kaffee wächst in Äthiopien wild in schattigen Bergwäldern. In den Wäldern gibt es mehr als 5000 Arten von coffea arabica. Im Rest der Welt sind es im Gegensatz nur ein paar Dutzend. Die Bauern pflücken die Kaffeekirschen per Hand. So können sie auf die sorgfältige Auswahl der reifen Kirschen achten. Dies ist ein wichtiges Kriterium für die sehr gute Qualität des Rohkaffees. Äthiopien ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in dem noch wildwachsende Kaffeesträucher ihren Platz finden. Die Sträucher werden bis zu 8 m hoch, so dass es geübte Kletterer für die Ernte braucht.

Nach dem Pflücken werden die Kirschen in der Sonne vor den Hütten der Kaffichos auf Holzgestellen getrocknet und dann geschält. Das Röstbild des Kaffees ist durch die natürliche Aufbereitung nicht so gleichmäßig wie bei gewaschenenen Kaffees. Als Gegenargument ist aber zu sagen, dass sonnengetrocknete Kaffees ein viel intensiveres Aroma haben und ein einzigartige Fülle aufweisen.

Nach der Aufbereitung werden die grünen Kaffeebohnen in Bonga und dann noch einmal in Addis Abeba von Hand verlesen. Dann wird der Kaffee nach Djibouti verfrachet und von dort aus nach Hamburg verschifft. Damit der unvergleichliche Charakter des Wildkaffees zum Vorschein kommt, wird er traditionell und schonend bei ca. 200°C im Trommelröster geröstet. Auch wir gehen so in unserer Rösterei vor. So erhält er im Endeffekt eine fruchtig, würzig-schokoladige Note.

Für die Menschen in Kaffa ist Kaffee das Lebenselexier. Alles trinken ihn, einige sogar leicht gesalzen.

Das Regenwaldschutz-Projekt

Quelle: http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/regenwaldverein/

Quelle: http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/regenwaldverein/

Der damalige Geschäftsführer von “GEO schützt den Regenwald e.V.”, Dr. Reiner Klingholz, initiierte 2001 ein Projekt, welches den Menschen von Kaffa die Möglichkeit gibt, ihre Wälder zu schützen und zu nutzen. Die Idee ist folgende: Der Wald soll durch die Vermarktung von wild wachsendem Kaffee dauerhaft geschützt werden. Dies dient natürlich auch dem Nutzen der Menschen. Nämlich indem die örtlichen Kleinbauern eine Premium-Preis für ihr Regenwald-Produkt erhalten. Der Wald ist für sie eine wichtige Einkommensquelle. Somit liegt es in ihrem Interesse, dass die Waldflächen so gut es geht erhalten bleiben. So wurde aus der Kaffa-Region ein UNESCO-Biosphärenreservat.

Bio-Siegel

Bio-Siegel

Früher haben die Menschen in der Region Kaffa den Wildkaffee fast ausschließlich für den eigenen Verbrauch gesammelt. Dies änderte sich jedoch mit dem Export des ersten Containers Wildkaffee im Jahr 2003. Seit der Ernte aus den Jahren 2006/07 schmückt sich der Wildkaffee mit dem Biosiegel und dem von neutraler Stelle überwachten Zertifikat für soziale Nachhaltigkeit und fairen Handel (fairtrade).

Fairtrade-Siegel

Fairtrade-Siegel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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